Nachhaltige Wertschöpfungskette Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 08.12.2011


Unternehmen, die sich in eine nachhaltige Produktions- oder Lieferkette einfügen, genießen Image-Vorteile und senken Kosten. Wir nennen Beispiele.

Als Alain Caparros, Chef der Rewe Group, Anfang September beim Forum "Raus aus der Nische " für ein neues Bewusstsein in Sachen Nachhaltigkeit warb, war ihm nicht nur die Aufmerksamkeit von Industrie-Schwergewichten wie Henkel, Procter & Gamble oder Unilever sicher. Auch Deutscher Naturschutzring, Greenpeace und Misereor und insgesamt mehr als 250 Vertreter von Unternehmen, Verbänden, Organisationen, Forschungsstätten und Behörden beteiligten sich am kritisch-konstruktiven Dialog für ein weltweit faires Miteinander und eine bessere Umwelt.

Caparros bezeichnete das in seiner Rede als der Beginn einer notwendigen, bisher beispiellosen Dialogoffensive, von der Kleinunternehmen bis Konzerne profitierten könnten. "Um die großen Herausforderungen der Nachhaltigkeit zu meistern, ist es unerlässlich, sämtliche Stufen vom Erzeuger über Handel bis zum Kunden noch stärker zu integrieren", so der Rewe-Chef. Er vermied den Begriff "Green Supply Chain Management", obwohl dieser genau das beinhaltet. Ebenso "Green Logistic", den CO2-armen Transport zwischen den Stufen. Der Manager bevorzugte deutsche Umschreibungen. Zuerst fand eine Podiumsdiskussion statt, anschließend diverse Workshops zu Einzelthemen wie Ressourcenschonung oder Sozialstandards in der Lieferkette. Unmittelbar danach ging es offensiv weiter. In Köln, Hamburg und Frankfurt folgten Themen-Dialoge, an denen sich Abgesandte von NABU, Bundesumweltministerium, Verbraucherinitiative und Bundesverband Deutsche Tafel beteiligten.

Diskutiert wurden die in Berlin erarbeiteten Ideen und Lösungsvorschläge in Bezug auf deren praktischer Umsetzung. Ebenfalls noch im September fand die Aktionswoche "Hallo Erde!" statt. Die 100 Markenprodukte, denen das Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production in Wuppertal einen nachhaltigen Beitrag bescheinigte – von der Entstehung bis zum Verwender –, wurden speziell beworben. Dazu gab es Verbraucherinformationen zu "Gemeinsam Ressourcen schonen", "Gemeinsam für die Tier- und Pflanzenwelt", "Gemeinsam gesünder leben" und "Gemeinsam für mehr Menschlichkeit".

Als Klammer dieser und vieler weiterer Aktivitäten erschien im gleichen Monat auch der Rewe-Nachhaltigkeitsbericht "Wir handeln für morgen" – der zweite seiner Art. Der erste befasste sich schwerpunktmäßig mit den Nachhaltigkeitsbemühungen innerhalb der Unternehmensgruppe. Nun wurden die Zulieferer stärker mit einbezogen. "Das eigene Angebot weiterentwickeln und andere auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit mitnehmen", nennt das der Rewe-Chef, der zugleich zwei strategische Ansätze verfolgt. Zum einen sucht sich der Kölner Konzern die einzelnen Lieferanten sorgfältig aus und verpflichtet sie, Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten. Mit den wichtigsten Akteuren entlang einer Wertschöpfungskette werden dann gemeinsam weitere Standards entwickelt. Die Basis allen Handelns sind konzerneigene Leitlinien bezogen auf die drei Handlungsfelder: Energieeffizienz erhöhen, klimarelevante Emissionen reduzieren und Ressourcen schonen.
Von Konzernen lernen

Laut Wolfgang Scheunemann, Geschäftsführer der auf Nachhaltigkeitskommunikation spezialisierten Beratungsagentur Dokeo, kommen von Großunternehmen oftmals die entscheidenden Impulse für Zulieferer, also für kleine und mittelständische Betriebe, sich nachhaltig auszurichten. "Wer nicht mitzieht läuft Gefahr, aussortiert zu werden", mahnt der Experte. Die Bestätigung liefert Albert Baehny, Vorstandschef bei Geberit. Der Schweizer Sanitärhersteller arbeitet weltweit mit mehr als 1.200 Partnerunternehmen zusammen. "Wenn ein Zulieferer etwa Gewässer vergiftet, Kinder beschäftigt oder Mitarbeiter mehr als 60 Stunden in der Woche für sich arbeiten lässt, wird die Geschäftsbeziehung abgebrochen", mahnt der oberste Manager unmissverständlich. Diese klare Einstellung sorgte mit dafür, dass die Sanitärfirma von der "WirtschaftsWoche" und von Oekom, einer Ratingagentur für nachhaltige Investments, als das nachhaltigste Unternehmen der Welt ausgezeichnet wurde.

Oekom-Vorstand Matthias Bönning hat zudem festgestellt, dass Unternehmen, die Teil einer nachhaltig ausgerichteten Wertschöpfungskette sind, meist nicht nur sichere, sondern auch besonders hohe Gewinne erzielen. Einige Gründe: Die Steigerung der Energieeffizienz senkt die Energiekosten, die Reduzierung des Materialausschusses senkt die Herstellkosten, die verbesserte Zusammenarbeit senkt die Transport-, Lager- und Handlingskosten. Ein anderes Beispiel für die "Erziehung der Kleineren durch die Großen hin zum guten Zweck" kennt Keith Miller, bei 3M für die Nachhaltigkeitsstrategien verantwortlich, aus den USA: "Als die Supermarktkette Wal-Mart entschied, den Kunden nachhaltige Produkte bevorzugt anzubieten, reagierten alle Zulieferer sehr rasch."

Doch unabhängig davon, ob ein Unternehmen nach den Nachhaltigkeitsvorgaben des größten Auftraggebers oder nach eigenen, womöglich weiterreichenden Richtlinien handelt – es sollte dabei das Kommunikationsrad drehen. Es gelte, die Aktivitäten branchenweit und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, rät Scheunemann. "Dadurch gestaltet sich die Akquise von weiteren Aufträgen leichter, denn nachhaltiges Denken insgesamt und somit auch entlang von Produktions- und Lieferketten gewinnt zusehends an Bedeutung."

Warum die Öffentlichkeit nicht vergessen werden darf, erklärt die Beratungsgesellschaft Ernst & Young mit der Feststellung: "Etwa nur jeder dritte Bundesbürger kann ein Unternehmen nennen, das sich durch ethisches Handeln auszeichnet." Insgesamt bestehe ein Misstrauen gegenüber den Nachhaltigkeitsaktivitäten von Firmen, nicht wenige erschienen als "aufgesetzt". Und die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG kommt zu dem Schluss, die Unternehmen müssten beweisen, wie sie nachhaltig wirtschaften und ihrer ökonomischen, ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht werden, um vor Verbrauchern, Investoren, Staat und weiteren Stakeholder zu bestehen. Rewe-Boss Caparros vertritt eine ähnliche Auffassung: "Wer nachhaltigen Konsum in der Breite der Gesellschaft etablieren will, muss zweierlei leisten: Er braucht die Aufmerksamkeit der Verbraucher – und starke Partner."
Beispiel Fischfang

Innerhalb einer Wertschöpfungskette ist es wichtig, dass klare Ansagen gelten. Alle Beteiligten wissen, was man will, was man nicht will, was verboten sein sollte. Für eine Kette "Aus dem Meer bis zur Fischtheke" beispielsweise ist das MSC-Label wichtig. Es steht für Fische, die aus einer umweltgerechten, gut geführten und nachhaltigen Fischerei stammen. Ratsam für alle verbundenen Firmen ist auch die Erklärung für die Entwicklung und den Einsatz von schonenden Fanggeräten und umweltschonender Fischereitechniken. Die Forderungen könnten sich beziehen auf: abgerundete Haken bei der Langleinen-Fischerei, Einsatz von kleinen Magneten zur Haiabschreckung, Reduzierung der Schleppnetzfischerei mit zerstörerischen Bodenschleppnetzen, Verbot der Schleppnetzfischerei in Korallenriffen. Auch die berüchtigte Discard-Praxis ist verboten, stattdessen muss jeglicher Beifang auf die festgelegte Quote angerechnet und angelandet oder weiterverarbeitet werden. Zu verurteilen sind gleichfalls die illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei. Bezogen auf ein Sponsorengagement böte sich für die Fischlieferkette die Gesellschaft zur Rettung der Delfine an. Die Organisation rettet verletzte oder gestrandete Delfine und Wale. Des weiteren sorgt sie für die Einrichtung von Schutzgebieten, den Aufbau eines Delfinschutzzentrums in Kroatien und die Aufklärung von Fischern, Bevölkerung und Touristen.
Green Supply Chain: Welche Nachhaltigkeitsbereiche wichtig sind

Vom Rohstoff über die Herstellung und Auslieferung bis hin zum Recycling – sämtliche an der Produktions- und Lieferkette beteiligen Betriebe sollten sich auf einheitliche Leitlinien einigen. Unterschieden werden etwa die folgenden Nachhaltigkeitsbereiche:

Logistik: Einzelne Vorgaben können sich beziehen auf: Grüner Fußabdruck (Berechnung und Reduzierung des CO2-Ausstoßes beim Transport entlang der Lieferkette), Vermeidung von Leerfahrten, regelmäßige Fahrzeugwartung, generell energieeffiziente und umweltfreundliche Lagerhaltung.

Produktion: Ressourcenschonung, energieeffiziente Produktions- und Montageverfahren, Wärmerückgewinnung, Abfallmanagement, regelmäßige Wartung des Maschinenparks.

Einkauf: Gütezeichen wie "Blauer Engel" beim Recyclingpapier. Besonders bei Bürogeräten ist auf deren reduzierten Energiebedarf zu achten. Einhaltung von sozialen Standards: keine Kinderarbeit, keine 60 Stunden-Woche, keine Dumpinglöhne.

Bauten: wärmegedämmte Gebäude, Grüner Strom, Photovoltaik, alternative Lösungen bei Heizung und Klima.

Fuhrpark: bedarfsgerechte Fahrzeuge, energieeffizientes Fuhrparkmanagement, Einsatz von alternativen Antriebslösungen wie Erdgas, Elektro, Hybrid. Kraftstoffsparende Fahrweise.

Soziales: Angebote zur Gesundheitsvorsorge, Arbeitsschutz, Demografiemanagement, altersgemischte Teams, Eltern-Kind Büros, Betriebskindergarten, Frauenförderung, betriebliche Weiterbildung, bAV, Präventionsprogramme wie richtiges Verhalten bei Raubüberfällen.

Gesellschaft: Unterstützung von sozialen Einrichtungen, Kulturprojekten, Sportveranstaltungen, Umweltschutzprogrammen, allgemeinen Aus- und Weiterbildungsangeboten etwa in der Seniorenbetreuung.

Autor: Gerd Zimmermann

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