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Dispokredite zinsgünstig umfinanzieren

Klein, aber gefährlich: Selbst geringfügige "Zinsschritte" können beim Überziehungskredit schnell zu erheblichen Mehrkosten für den Schuldner führen.

Drei Zinserhöhungen im Abstand von jeweils drei Monaten – in weniger als einem Jahr erhöhte sich der Zinssatz des Überziehungskredits von Roland W., einem mittelständischen Betriebsinhaber aus Niedersachsen, von 8,25 Prozent auf 9,5 Prozent. Dessen Hausbank begründete diese unerfreuliche Entwicklung auf dem Geschäftskonto mit der durch die "Europäische Zentralbank erfolgten Erhöhungen der Referenzzinssätze für Geldmarktgeschäfte", die noch nicht einmal "in vollem Umfang", so argumentierte die Bank, an W. weitergegeben worden seien.

Dieses Zugeständnis war für W. allerdings nur ein kleiner Trost. Schließlich machte sich die Kreditzinsverteuerung von mehr als einem Prozent mit immerhin fast 2.000 Euro schmerzhaft auf seinem Geschäftskonto bemerkbar.

Die relativ hohe Inanspruchnahme des Überziehungskredites besitzt bei W. fast schon Tradition, da er seine Lieferantenrechnungen stets unter Ausnutzung von Skonto kurzfristig mit Hilfe des Geschäftskredites bezahlt. Darüber hinaus finanziert W. immer wieder kurzfristig anfallende Kosten im Zusammenhang mit Instandhaltungsarbeiten am Betriebsgebäude ebenfalls mit Hilfe seines Geschäftskredites.

Obwohl er diesbezüglich bereits verschiedene Male von seiner Bank auf eine Umschuldung angesprochen wurde, hat er dies aus Zeitgründen immer wieder zurückgestellt. Da mittlerweile aber fast 10 Prozent Zinsen erreicht sind, hat sich W. nun endlich entschlossen, gegenzusteuern und über Alternativen nachzudenken.

Kontakt mit der Hausbank pflegen

Bei diesen Überlegungen wurde ihm deutlich, dass er das letzte ausführliche Bankgespräch vor fast zwei Jahren mit dem damals für ihn zuständigen Kundenberater geführt hat. In der von ihm seinerzeit angefertigten Aktennotiz wurde eigentlich vereinbart, dass man sich im Halbjahres-Rhythmus zusammensetzen und dabei über weitere strategische Maßnahmen der Zusammenarbeit reden wollte.

Passiert ist seitdem jedoch nichts: Weder die Bank noch W. haben versucht, diese Gespräche zu einer regelmäßigen Übung werden zu lassen. Offenbar waren beide Partner mit der jeweiligen Qualität der Geschäftsverbindung im Großen und Ganzen zufrieden und sahen daher keinerlei Grund, über Verbesserungen nachzudenken.

All dies ging W. durch den Kopf, als er sich den erwähnten Aktenvermerk in Ruhe ansah. Mehr noch: Die Bank stellte ihm, so hat er es ebenfalls schriftlich festgehalten, eine Verbesserung seines Ratings und damit seiner Kreditkonditionen in Aussicht, wenn es ihm gelingt, seine Eigenkapitalquote schrittweise zu verbessern. Dies gelang ihm bereits, zunächst im bescheidenen Maße, mit dem vorletzten Jahresabschluss, der seiner Bank natürlich längst vorliegt. Ob sich sein Rating daraufhin nun tatsächlich verbessert hat oder nicht, bleibt allerdings unklar.

Immerhin ist W. selbstkritisch genug, um nicht nur seine Bank für die fehlende Kommunikation verantwortlich zu machen. Immerhin ist er selbst ja nicht bereit gewesen, von sich aus einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Es bedurfte vielmehr der erneuten Zinserhöhung, um endlich aktiv zu werden.

Umschichtung auf Geldmarktkredite

Nun strebt W. ein solches Gespräch aber mit Vehemenz an. Seine bisherige Planung sieht vor, gemeinsam mit seinem Steuerberater, dem Kundenberater und dem zuständigen Mitarbeiter des Kreditmanagements seiner Hausbank zu überlegen, wie eine Umschuldung auf dem Geschäftskonto stattfinden kann.

Erste Überlegungen gibt es dazu bereits: W. erinnerte sich an einen Geldmarktkredit, den er vor Jahren bereits einmal in Anspruch genommen hat – und der damals weitaus niedriger als sein Überziehungskredit verzinst wurde.

Darüber hinaus wird sein Steuerberater bis zum Gesprächstermin eine Aufstellung jener Gesamtkosten anfertigen, die mit der Instandhaltung des Betriebsgebäudes zu tun haben. Dieser Betrag soll durch ein mittelfristiges Darlehen umgeschuldet werden. Damit erreicht W. nicht nur eine Reduzierung seiner Kreditzinsen, sondern auch eine kontinuierliche Tilgung zumindest dieses Teils seiner Verbindlichkeiten.

Im Ergebnis verbleibt dann nur noch der Teil des Überziehungskredites, den W. benötigt, um die Lieferantenrechnungen kurzfristig zu bezahlen. Dies alles wird einen Schwerpunkt des Bankgesprächs bilden.

Ein weiterer Schwerpunkt wird in der in Aussicht gestellten Verbesserung des Ratings bestehen. Hierzu ist erneut der Steuerberater gefordert, der an Hand der Bilanzentwicklung aufzeigen soll, dass W. einen vertretbaren Mittelweg aus angemessener Eigenkapitalbildung und aus erhöhter steuerlicher Belastung durch den Gewinnausweis gefunden hat. Diese Entwicklung – so zumindest die Erwartung von W. an seine Bank – sollte sich nun tatsächlich in einer Verbesserung seines Ratings und seiner Kreditkonditionen niederschlagen.

Apropos Rating: Auch hierzu besteht nach wie vor Erklärungsbedarf, der von W. bisher allerdings auch nicht eingefordert wurde. Bis heute gibt es keine Informationen der Bank über die Gewichtung der unterschiedlichen Rating-Bestandteile. Beim letzten Gespräch, soweit erinnert sich W., wurde dies mit der damals "noch nicht ausgereiften Rating-Methodik" des Kreditinstitutes begründet. Dies dürfte sich nach Einschätzung von W. mittlerweile aber geändert haben, so dass die Gesprächsteilnehmer auch in diesem Punkt einen großen Schritt weiterkommen sollten.

 

Check-Liste: So halten Sie Ihren Überziehungskredit im Griff

  • Gegenseitiges Schweigen bringt, das zeigt der erwähnte Fall, weder Sie als Unternehmer noch Ihre Bank weiter. Es kann in Zeiten von Basel II nicht oft genug gesagt werden: Zumindest ein Mal im Jahr sollte ein ausführliches Orientierungsgespräch zwischen Unternehmer und Bank geführt werden.

  • Die Problematik hoher Zinssätze auf dem Geschäftskonto ist auf Grund der allgemeinen Zinserhöhungstendenzen mittlerweile offensichtlich, so dass Sie gemeinsam mit Ihrer Hausbank Alternativen wie den erwähnten Geldmarktkredit oder auch Wechselfinanzierungen prüfen sollten.

  • Sie sollten außerdem eine der wichtigsten Regeln im Umgang mit dem Überziehungskredit auf Ihrem Geschäftskonto berücksichtigen: für Finanzierungszwecke, die mittel- beziehungsweise langfristigen Charakter haben, ist dieser grundsätzlich nicht geeignet. Hier sollte rechtzeitig über zinsgünstigere Darlehen mit entsprechenden Laufzeiten nachgedacht werden.

 

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt", Autor: Michael Vetter

 

 

 



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