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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Richtig finanzieren mit Kredit und Leasing

Richtig finanzieren mit Kredit und Leasing

Der deutsche Mittelstand setzt bei der Außenfinanzierung bevorzugt auf Kredit und Leasing. Beide Finanzierungsformen bieten spezifische Vorteile. Unternehmer sollten deshalb bei der Planung verschiedene Aspekte beachten.

Kleine und mittelständische Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft: Fast 75 Prozent erwarten, dass die Geschäfte in diesem Jahr genauso gut oder sogar noch besser laufen werden als 2006. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn. Infolge der wachsenden Zuversicht investieren viele Unternehmen wieder stärker – etwa um zu modernisieren oder Kosten zu senken.

Das Ziel ist, einerseits von der aktuellen konjunkturellen Erholung zu profitieren und andererseits für schwächere wirtschaftliche Phasen gerüstet zu sein. Um Ersatzanschaffungen, Geschäftserweiterungen oder die Entwicklung neuer Produkte zu finanzieren, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten – von Eigenmitteln über Klassiker wie Kredit und Leasing bis hin zu Fördermitteln und alternativen Formen wie Mezzanine.

"Auf neue Angebote wie Beteiligungskapital oder Anleihen reagieren die kleinen und mittelständischen Firmen jedoch noch zögerlich", sagt Professor Frank Wallau, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung. Vielmehr zeigt das BDI-Mittelstandspanel für das Frühjahr 2007, dass der Mittelstand klare Präferenzen hat: Die wichtigste Quelle ist die Innenfinanzierung, zumeist aus einbehaltenen Gewinnen und Abschreibungen. Darauf folgen kurz- und langfristige Kredite sowie das Leasing als zentrale Säulen der Außenfinanzierung.

Kredit im Aufwind

Im vergangenen Jahr haben deutsche Unternehmen wieder deutlich mehr Kredite aufgenommen. Allein im vierten Quartal 2006 stieg die Kreditnachfrage um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, schätzt die KfW Bankengruppe. "Für den Kredit spricht, dass er sich flexibel auf die Anforderungen des Unternehmens zuschneiden lässt", sagt Henning Jacob.

Er ist Experte für Investitionsfinanzierungen im Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank. Grundsätzlich lassen sich die Zinsgestaltung und die Tilgung beim Darlehen ebenso zielgenau anpassen wie die Laufzeit. Der Kreditnehmer kann etwa zwischen Varianten mit Festzinsvereinbarung oder variablem Zinssatz wählen. Auch eine Zinsbegrenzung, ein so genannter Cap, ist möglich. Solche Modelle sind vor allem im aktuellen Marktumfeld möglicher Zinserhöhungen sinnvoll.

Denn mit einem Cap können sich Unternehmer für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren über eine vereinbarte Obergrenze gegen steigende Zinsen absichern und sich so eine langfristig stabile Kalkulationsbasis sichern. Unabhängig davon, für welches Kreditmodell sich ein Unternehmen entscheidet, können die Kreditzinsen unter bestimmten Voraussetzungen als Betriebsausgaben von der Steuer abgesetzt werden.

Unternehmensfinanzierung: Leasing oder Kredit?

Bei der Entscheidung für Leasing oder Kredit sollten Unternehmer verschiedene Aspekte berücksichtigen.
Leasing kann etwa sinnvoll sein, wenn

  • die Betriebsausstattung immer auf dem neuesten technischen Stand sein soll,
  • Wartung und Service erwünscht sind,
  • das Investitionsgut nur für einen bestimmten Zeitraum benötigt wird,
  • die Investition möglichst schnell erfolgen soll,
  • der Unternehmer mit wenig oder ganz ohne Eigenkapital finanzieren möchte,
  • eine dauerhaft hohe Eigenkapitalquote angestrebt wird,
  • Händler Leasing-Angebote mit Rabatt gewähren,
  • die Investition von Anfang an neues Geld in die Kasse bringt.

Ein Kredit kann etwa sinnvoll sein, wenn

  • die Investition sehr wichtig für den Betrieb ist und der Unternehmer das zu finanzierende Objekt dauerhaft in den Betriebsablauf integrieren möchte,
  • öffentliche Finanzierungshilfen genutzt werden können,
  • das Unternehmen im Branchenvergleich eine hohe Eigenkapitalquote hat,
  • degressiv abgeschrieben werden soll,
  • langfristige Sicherheit bei den Finanzierungskosten gewünscht wird,
  • die Investition im Rahmen des Betriebsüblichen liegt,
  • unterschiedlich hoher Zahlungsaufwand während der Tilgung gewünscht ist.
Quelle: Deutsche Bank

Bei der Planung der Darlehenslaufzeit empfiehlt es sich grundsätzlich, diese an der Abschreibungsdauer des Investitionsgutes zu orientieren. Denn im Idealfall sollte eine kreditfinanzierte Investition spätestens dann getilgt sein, wenn sie steuerlich abgeschrieben ist.

Neben dem Kredit hat sich das Leasing als wichtiger Baustein der Fremdfinanzierung etabliert. "Man kann davon ausgehen, dass rund jedes zweite mittelständische Unternehmen auf Leasing setzt", so Professor Wallau. Zu den häufigsten Leasinggütern gehören Fahrzeuge sowie Produktionsmaschinen. Darüber hinaus kann eine Vielzahl weiterer Objekte geleast werden – ein Grund dafür, warum der Marktanteil des Leasing in den vergangenen vier Jahrzehnten stetig gestiegen ist.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) ist der gesamte Leasing-Markt 2006 um rund acht Prozent auf ein Neugeschäftsvolumen von etwa 54 Milliarden Euro gewachsen. Das Grundprinzip des Leasings ist einfach: Unternehmen können die Leasing-Objekte für einen bestimmten Zeitraum mietweise nutzen. So lassen sich beispielsweise Investitionen mit wenig oder ganz ohne Eigenkapital realisieren – das schont die Liquidität des Unternehmens.

"Zudem ist Leasing bilanzneutral, da weder das geleaste Investitionsobjekt noch die Verbindlichkeiten gegenüber dem Leasinggeber bilanziert werden müssen", erklärt Jacob. "Das wirkt sich positiv auf die Eigenkapitalquote eines Unternehmens aus". Aus steuerlicher Sicht sind die monatlichen Leasingraten Betriebsausgaben und somit voll abzugsfähig. Grundsätzlich können Investitionen in jeder Größenordnung über Leasing realisiert werden.

Leasing bietet sich beispielsweise auch dann an, wenn zum Investitionszeitpunkt noch nicht abzusehen ist, ob das angeschaffte Objekt dauerhaft genutzt werden muss. Oft lassen sich beim Leasing auch Zusatzleistungen wie Wartung, Reparatur oder Versicherungen vereinbaren.

Und vor allem bei kurzlebigen Anschaffungen wie etwa Computer-Software bieten sich Vertragsvarianten an, bei denen das Leasing-Objekt zu einem vereinbarten Zeitpunkt zurückgegeben und durch ein neues ersetzt werden kann. Auf diese Weise können Unternehmer ihren Betrieb stets auf dem aktuellen technischen Stand halten.

Checkliste: Tipps für die Finanzierungsplanung

  • Rechtzeitig entscheiden: Investitionen sollten nicht so lange aufgeschoben werden, bis sie unvermeidlich sind. Wer frühzeitig investiert, kann beispielsweise die Produktivität erhöhen.
  • Laufzeiten aufeinander abstimmen: Idealerweise decken sich Finanzierungszeitraum und Nutzungsdauer des Objektes.
  • Alle Folgen einkalkulieren: Durch eine Investition erhöht sich mitunter auch der Liquiditätsbedarf, beispielsweise für zusätzliches Personal. Steht das benötigte Kapital nicht zur Verfügung, kann das den Erfolg der Investition gefährden.
  • Gesamtkosten betrachten: Nebenkosten wie Abschluss- und Kontoführungskosten müssen zusätzlich zu Zinsen und Tilgungsraten in die Kalkulation einbezogen werden. Nur so lässt sich der Finanzierungsrahmen verlässlich bestimmen.
  • Zeit nehmen: Auch wenn die Zeit noch so drängt: Jede Investition sollte sorgfältig durchdacht und geplant werden, um beispielsweise den Finanzierungsbedarf und die Konditionen sorgfältig zu ermitteln.
Quelle: Deutsche Bank

Flexibel mit Leasing

Die Entscheidung für Leasing oder Kredit sollte ein Unternehmen immer gründlich planen und prüfen. "In jedem Fall ist ein Gesamtkonzept erforderlich, das verschiedene grundsätzliche Fragen beantwortet", betont Jacob. Mögliche Fragen sind beispielsweise: Wie hoch ist der Finanzierungsbedarf? Über welchen Zeitraum wird Kapital benötigt? Welche Anforderungen müssen die Finanzierungsinstrumente erfüllen, etwa hinsichtlich Laufzeit und Tilgung?

Bei jedem Finanzierungsvorhaben müssen Unternehmer im Vorfeld die Anschaffungs- und Betriebskosten sowie die Amortisationsdauer der Investition bestimmen. Ebenso sollten sie die Auswirkungen auf die Umsatzentwicklung und die Liquiditätssituation analysieren. Denn nur so lassen sich Fehler vermeiden und solide Ergebnisse erzielen.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt", Autor: Robert Puster

 

 

 



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